
Anbei ein Porträt, dass ich seinerzeit für den WeKnowRap-Blog geschrieben und beim aufräumen meiner Festplatte quasi “wieder-entdeckt” habe. Da WeKnowRap inzwischen (leider) Geschichte ist – naja, nicht ganz, immerhin noch bei Twitter vertreten – und das Porträt damit off, dachte ich, dass ich es hier nochmal poste… und zwar mit einigen Überarbeitungen und Aktualisierungen. Denn seit der Publikation 2007 ist ein wenig passiert!
… Die nordwest-französische Stadt Nantes ist beileibe keine Rap-Metropole. Dennoch hat das kleine Städtchen in Sachen HipHop-Musik einiges zu bieten. Die Gruppe Hocus Pocus, mit ihrem musikalischen Mastermind 20syl, beeinflußt die französische HipHop-Szene mehr, als man zunächst meinen könnte. Deshalb präsentieren wir Euch hier ein kleines Porträt der Crew.
Als ich im Jahr 2006 vor den noch geschlossenen Pforten des HipHopKemps stand und auf das Programm schaute, fiel mir unter anderem ein Name auf: Hocus Pocus aus Frankreich. Nach einem kleinen SMS-Austausch mit einem, in Sachen französischer HipHop fast allwissenden Kollegen (aka Mad Mic, der Chef der Banlieue-Connexion), wußte ich, die Jungs sind sowas wie die französischen Roots und durchaus auch experimentierfreudig. Ich war gespannt. Das, was ich dann aber miterleben durfte, war aber ein ein showcase der Extra-Klasse. Kurz gesagt – Hocus Pocus sind eine ausgesprochen fähige Liveband, eine Mischung aus Jazzkombo, Turntablism und Rap. Aber vor allem sind mehr, als nur die “französischen” Ableger der Roots.
Die Crew wurde 1995 in Nantes gegründet und etablierte sich recht schnell in der regionalen HipHop-Szene. Die Band setzt sich zusammen auf Herve am Bass, dem Schlagzeuger Antoine, aus Matthieu, an den Tasteninstrumenten und jüngst ist auch David ander Gitarre dabei. An den 1210ern steht niemand anderes als DJ Greem, der ebenso Mitglied der französischen Turntablism-Crew C2C ist (ehemals Coups2Cross), wie Produzent, MC und Turntablist 20syl. Damit sind 2 mehr als fähige DJs Teil der Band Hocus Pocus. Schließlich konnte C2C die DMC Team Weltmeisterschaften von 2002 bis 2006 alle für sich entscheiden. Eine Leistung, die bisher keine andere Crew geschafft hat. Doch zurück zu Hocus Pocus. DJ Greem gilt in der Crew mehr als nur der scratchende und jugglende DJ, er ist neben den “klassischen” Instrumentalisten ein vollwertiger Musiker, der mit seinem Instrument eine ganz wichtige Komponente im Hocus Pocus-Sound darstellt. Kommen wir nun zum Mastermind 20syl, ein äußerlich eher unauffälliger junger Mann, der aber als respektierter Produzent, fähiger Turntablist und als vielseitiger und wortgewandter Rapper auftritt. Vor allem auf der Bühne präsentiert sich 20syl als Entertainer und und MC, der auf Songs mit verschiedenen Tempi und Stimmungen zu überzeugen weiß.

Nachdem 1998 zunächst ein Album mit der alten Formation erschien, ließ man erst wieder 2002 etwas von sich hören, nämlich ein 8 Stücke starkes Mini-Album mit dem bezeichnenden Titel “Accoustic Hip Hop Quintet – 3“, auf dem man eine lockere Mischung der bereits oben erwähnten musikalischen Stile präsentierte. Es folgten 2 recht erfolgreiche Singles “Conscient” (2003) und “On And On Pt. 2” (2004). Gleichzeitig erweiterte man seinen Ruf in Frankreich durch zahlreiche Live-Auftritte, darunter auf so Prestige-trächtigen Festivals wie dem Printemps de Bourges, dem Festival des Vieilles Charrues und anderen. Außerdem festigte man sich seinen Ruf als ausgesprochene Live-Band auch im Ausland. Gleichzeitig arbeiteten Greem und 20syl als Mitglieder der Turntablists-Crew C2C, mit den anderen beiden Crew-Membern DJ Atom und DJ Pfel, am Erfolg von C2C bei den nationalen und internationalen DMC-Meisterschaften.
2005 erschien dann endlich das Debütalbum “73 Touches” über das Label On And On Records. Hier wurden auch internationale Kollabos gefeatured, zum einen Big Dada-Signing, der britische Rapper TY und zum anderen die US-Crew The Procussions, die als erster Release des wiederauferstandenen Labels Rawkus von sich Rede machten. Das Stück “Hip Hop” auf dem die Procussions gefeatured wurden, ist eine ironische Annäherung an das gleichnamige Phänomen und wurde auch in einem sehenswerten animierten Video visualisiert (Link). Der große Erfolg und das ausgesprochen positive Feedback, dass das Debütalbum “73 Touches” hervorgerufen hat, führte dazu, dass man Ende 2006 einen Re-Release des Debüts vornahm, die in einer erweiterten Deluxe-Ausgabe in die Läden kam.
Hocus Pocus feat. The Procussions – Hip Hop
Ein weiteres Video, zum Track “J`attends” (http://www.dailymotion.com/video/x1gjyi_hocus-pocus-clip-jattends) ist erst kürzlich erschienen. Zudem hat 20syl in der Vergangenheit verstärkt auch für andere Gruppen Produktionen abgeliefert. Darunter für französische Gruppen wie Fabe, Joey Starr, Disiz la Peste, Ol’Kainry, Kohndo, Diam’s und andere. Auch auf dem Soloalbum “Of Gods And Girls” von Mr. J. Medeiros, der bereits erwähnten Crew The Procussions, hat 20syl sein Können unter Beweis gestellt.
Der Nachfolger zu “73 Touches” kam dann im Jahr 2007 auf den Markt, mit dem Titel “Place 54“. Insgesamt abwechslungsreicher von seinen musikalischen Einflüssen und unter der Beteiligung zahlreicher Gäste, konnte “Place 54“die hoch gesteckten Erwartungen erneut erfüllen. Neben den Procussions oder den Turntablists C2C, waren auch der britische Soulsänger Omar, auf der ersten Single “Smile“, der Funk-Musiker Fred Wesley von den JB Horns, die US-Rapper T Love und Tribeca sowie weitere Leute an “Place 54” beteiligt. Zu den 2 Single-Auskopplungen, neben der bereits erwähnten Single “Smile” (Video-Link), war dies “Mr. tout le monde“, wurden auch jeweils Videos gedreht.
Hocus Pocus – “Mr. tout le monde”
In den vergangenen beiden Jahren ist es zumindest was die Veröffentlichungen ging, ein wenig ruhiger um die Gruppe aus Nantes geworden. Die außerordentlich Auftrittsfreudige Gruppe war zunächst im Oktober, November und Dezember 2008 auf einer ausgedehnten Tour, nicht nur quer durch die französische Republik, sondern auch in Übersee, im fernen Japan! Und auch im vergangenen Jahr 2009 wurden die Live-Aktivitäten nicht vernachlässigt. Allerdings hörte man kaum etwas von neuen Stücken. Erst Ende 2009 erschien von DJ Greem, dem DJ von Hocus Pocus und ebenfalls Mitglieder der gefeierten Turntablism-Crew C2C, eine Breakbeat-Platte mit dem Titel “Greem Soundbox #1“. Dabei handelt es sich um den ersten Teil einer insgesamt dreiteiligen Reihe von Greem. Auf dem ersten Teil wird der Schwerpunkt dabei unter anderem auf Seiteninstrumente gelegt. Die Vorbereitungen für die Trilogie haben nach eigenen Angaben mehrere Jahre in Anspruch genommen. Begleitend zur Veröffentlichung wurde auch ein kleines Video-Demo gedreht, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Nun, im gerade begonnenen Jahr 2010 wird sich wieder ein wenig mehr tun bei Hocus Pocus. Das inzwischen dritte Studio-Album der Franzosen steht im März an und wird den Titel “16 pièces” (deutsch: 16 Stücke) tragen (VideoTeaser). Die Tour dazu steht natürlich auch schon fest. Mit von der Partie wird auch ein ganz großer des französischen Raps sein, den auch hierzulande einige kennen werden: Akhenaton aka AKH von der Marseiller Crew IAM. Der Track mit AKH nennt sich “A mi chemin” (deutsch: Auf halbem Weg) und wurde von Ihnen am 18. Dezember 2009 auf Ihrer offiziellen Facebook-Seite vorgestellt.
Hocus Pocus feat. AKH – A mi chemin (LINK zum Livevideo)
Zum Schluss möchte ich noch auf einen besonderen Link verweisen:
Wer der französischen Sprache mächtig ist, der sollte auch einen Blick auf das zwar schon ein wenig betagtere aber nichts desto trotz weiterhin sehr sehenswerte multimediale Porträt der französischen Crew Hocus Pocus werfen, mit Interview- und Konzertausschnitten (Link).
















Februar 7th, 2010 at 17:01
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Februar 7th, 2010 at 17:05
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